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Somatic Experiencing® (SE)

Somatic Experiencing® (SE)

Einführung

Wenn ein Erlebnis die Grenzen der aktiven Bewältigungsfähigkeit eines Menschen überschreitet, die notwendigen Ressourcen zur Verarbeitung des Erlebens nicht verfügbar sind, kann die Stresserfahrung als lebensbedrohlich erfahren werden.

Die integrative Kapazität des Menschen wird überlastet und der Mensch ist mit der Erfassung und Verarbeitung der Situation überfordert. Dabei können Gefühle wie Verzweiflung, Hilflosigkeit, Ohnmacht oder sogar Todesangst entstehen.

Dauert eine solche Stresssituation zu lange, ist zu viel oder zu intensiv, wird die natürliche selbstregulatorische Fähigkeit des Menschen ausser Kraft gesetzt.

  • In diesem Sinne wird unter der selbstregulatorische Fähigkeit verstanden, sich emotional, psychisch und physisch nach einem Schrecken oder Schock zu erholen, das Erlebte einzuordnen und entspannt weiterzuleben.
  • Naturkatastrophen, Krankheitsdiagnosen, anspruchsvolle Operationen oder Trennungserfahrungen können Beispiele für solch heftige Schrecken- oder Schockerfshrungen sein.

Werden aktivierte Überlebensinstinkte frühzeitig unterbrochen, bleibt die mobilisierte Kraft als unvollendetes Stressprogramm im Menschen zurück.

Dies zeigt sich in Form einer Erstarrungsreaktion als scheinbar ruhiger und dennoch instabiler, physiologisch hoch aktivierter Zustand oder eines völligen Kollaps.

  • Zu den Überlebensinstinkten zählen Flucht-, Täuschung- oder Kampf-Reaktionen.

Das lange (H)aus-halten von aktivierten, unvollendeten Überlebensreaktionen kann im Menschen zu Folgeschäden führen.

Folge kann z.B.

  • eine Abspaltung der schmerzlichen Erfahrung aus dem Bewusstsein oder
  • eine Abschaltung der Selbstkontrolle sein.

Erlebnisse können somit oft nicht, oder nur bruchstückhaft erinnert werden. So können auch die Körperempfindungen und die Emotionen kaum bis gar nicht mehr spürbar werden. Dies kann zu einer massiven Einschränkung von Lebendigkeit führen.

Hierzu folgende Beispiele:

Ab-Spaltung: Vom Schockmoment herrührende nicht integrierte Informationen, wie Bilder, Gedanken, Gefühle, Geräusche, Gerüche können separat, unzusammenhängend von den anderen Sinneseindrücken im Hirn gespeichert werden und somit nicht nachhaltig verarbeitet werden. Die Wahrnehmung von Ort, Zeit und Persönlichkeit kann dadurch eingeschränkt und gehemmt sein. Diesen Zustand zu erhalten, kann viel Kraft kosten und somit müde machen. Vom desorientierten Stressgehirn aus, ist die Wahrnehmung der Gegenwart gestört.

Stresswiederholungsschleife: Die angesammelte, unverarbeitete, innere Aktivierung, blockiert die Resilienzfähigkeit des Menschen. Der Mensch neigt somit dazu, aufgrund des konservierten Gefühls der Lebensbedrohung gekoppelt mit dem Stressprogramm der Erstarrung oder des umgehenden Kollaps, in eine Gewohnheit der permanent, aktivierten Schutz- und Kampfbereitschaft (Wappnung) der Welt gegenüber oder der chronischen Erschlaffung zu verharren. Gerät der Mensch an einem anderen Tag in einen dem erfahrenen Trauma ähnlichen Kontext, veranlasst die Stresswiederholungsschleife eine umgehende, nicht reflektierte Reaktion mit direkter Aktivierung des Gefühls der Lebensgefahr und damit verbundenen vegetativen, emotional, mentalen unangemessenen Erstarrungs- und Erschlaffungs-Reaktionen. Der Bezug zur aktuellen Situation ist blockiert. Der Mensch kann immer wieder in die Erinnerungen der Erfahrungen der Vergangenheit abtauchen. Positiv Freundliches in der Gegenwart wird nicht mehr wahrgenommen, weil der Geist vom Alten überflutet ist. „Altgier herrscht, anstelle von Neugier vor“.

Wegen der Übererregung und der Überempfindlichkeit oder der Unteraktivierung und Betäubung kann das Begabungspotential des Menschen nicht ausgeschöpft werden. Die Menschen finden sich plötzlich in Berufen wieder, in denen sie unterfordert und unglücklich oder überfordert sind.

In solchen Zuständen wird Somatic Experiencing® als Methode genutzt, um die Bewältigungsfähigkeit des Erlebten zu unterstützen, die defensive Anpassung in eine gesunde Anpassungsfähigkeit zurückzuführen und die Stresstoleranz, bzw. die Bewältigungsfähigkeit zu vergrössern, somit die Belastungstoleranz zu erhöhen. Es wird genutzt, um das desorganisierte Gehirn in seiner Reorganisation und Neuorganisation zu unterstützen. Dafür wird auf die Entwicklung eines selbstregulierten Nervensystems und damit verbundenen Hormon- und Immunsystems durch Co-Regulation geachtet, was als eine solide Grundlage zur Entwicklung einer breiten Resilienz Kapazität und Trauma-Verarbeitung führen soll.